Ackerschachtelhalm / Zinnkraut – Equisetum Arvense L.
Geschichte:
Wegen ihres hohen Kieselsäuregehaltes benutzte man die Sprosse vom Ackerschachtelhalm früher auch zum Glätten und Polieren von Holz und Metall, insbesondere Zinn (daher der Name Zinnkraut). Vieles in der Biologie der Schachtelhalme ist eigenartig, ja außergewöhnlich. Wie Farne und Bärlappe gehören sie zu den Gefäßkryptogamen, die zwar Wurzeln, vereinzelt sogar primitive Blüten ausbilden, aber keine Samen. Stattdessen produzieren sie staubfeine Sporen, um sich fortzupflanzen, wie das z.B. auch die Pilze tun. Die Vermehrung findet im Rahmen eines sog. Generationswechsels statt. So bildet Ackerschachtelhalm bei Beginn der Vegetationsperiode den sog. Frühjahrsspross, der der Fortpflanzung dient. Nachdem dieser verwelkt ist, wächst aus demselben Stock der sterile Sommerspross, der für heilkundliche Zwecke genutzt wird.
Dioskurides hat die Pflanze als harntreibend, als Husten- und Wundmittel und als Mittel zum Stillen des Gebärmutterflusses beschrieben. Plinius gab der Heilpflanze ihren Namen und bekräftigte ihre blutstillende Wirkung. Später wurde von mehreren berühmten Ärzten auf die diuretische, also die durchspülende Wirkung hingewiesen. Kneipp hat den Ackerschachtelhalm dann später vor dem Vergessen bewahrt, der auf seinen vielfältigen Nutzen hinwies und ihn erfolgreich anwandte, insbesondere bei hartnäckigen Wunden, krebsartigen Geschwüren, Schmerzen beim Wasserlassen, bei Grieß- und Steinleiden der Nieren und der Blase sowie bei Blutungen und Bluterbrechen.
Um die Jahrhundertwende wurden Erfolge bei bestimmten Tuberkuloseformen und Arteriosklerose berichtet. In der Volksmedizin wurde Ackerschachtelhalm seit je her als Blutreinigungsmittel, bei Tuberkulose, bei Nieren-/Blasenleiden- und Steinen, Wassersucht, Augenkrankheiten, Bluthusten, Brustschmerzen, Wunden und Geschwülsten angewandt.
Umgangssprachliche Namen:
Zinnkraut, Kannenkraut , Katzenschwanz , Reibwisch, Scheuergras, Scheuerkraut, Schafthalm, Pipenstal, Hollpiepen, Drunkelpfeifen, Jattenswans, Kattstert, Katzenwedel, Rattenschwanz, Fuchszagel
Pflanzenfamilie:
Schachtelhalmgewächse (Equisetaceae)
Botanische Beschreibung
Überwintert mit seiner tiefen, im Boden kriechenden, rötlichen bis schwarzen Grundachse. Aus dieser wachsen meist einjährige Sprosse mit jeweils einer endständigen Ähre. Sie wird von kurzen, schildförmigen, gestielten Sporangienträgern gebildet. Auf der Unterseite jedes Sporangienträgers sitzen 6 sackartige Sporenbehälter (Sporangien). Die durch Haftfäden zu Gruppen vereinigten Sporen werden durch den Wind verbreitet. Jede Spore entwickelt sich zu einem kleinen, grünen, unregelmäßig gelappten Vorkeim (Prothallium), mit entweder männlichen oder weiblichen Geschlechtsorganen. Die männlichen Geschlechtszellen schwimmen bei ausreichend vorhandenem Wasser zu den weiblichen Eizellen und befruchten sie. Aus dem Keim entwickelt sich ein neuer Schachtelhalm. Der Wurzelstock treibt nach der Sporenreife der Assimilation dienende, bis zu 40 cm hohe sechs- bis neunzehnrippige Sprosse. Diese bestehen aus gestreckten, hohlen Gliedern, die an den Nodien durch eine Querwand voneinander getrennt sind. Die einnervigen, quirlig an den Schaftknoten stehenden Blätter, sind zu einer am Stengel anliegenden Scheide verwachsen.
Herkunft:
Europa, auch andere Zonen mit gemäßigtem Klima
Standort:
Wegränder, auf Äcker und Wiesen
Wirkstoff/Droge/Sammelgut:
Das Kraut/der Stengel mit den Blättern.
Schachtelhalmkraut, bestehend aus den frischen oder getrockneten, grünen, sterilen Sprossen sowie deren Zubereitungen in wirksamer Dosierung wie z.B. Extrakte.
Sammelzeit:
Mai bis August
Inhaltsstoffe:
Die Droge enthält Mineralsalze (Kieselsäure), Glycoside, Gerbstoff, Saponin, Bitterstoff und Flavonoide, organische Säuren und harzige Substanzen.
Wirkung:
diuretisch (durchspülend), blutstillend, blutbildend, mineralienspendend,
Anwendungsgebiete:
Einnahme: posttraumatische (nach einer Verletzung auftretende) und statische Ödeme (Geschwulste). Zur Durchspülung bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und bei Nieren- und Blasengrieß bzw. -Steinen. Bei Harnverhalt (erschwertes Urinieren). Bei Krebs sowie äußeren und verschiedensten inneren Blutungen (ua. Gebärmutterbl., Nasenbl., Nieren-und Blasenbl.)
äußerer Anwendung: zur unterstützenden Behandlung schlecht heilender Wunden.
Dosierung und Zubereitung:
innere Anwendung: Abkochung: 50g der Pflanze in 1 Liter Wasser 30 min kochen lassen (ohne Deckel), um einen halben Liter Abkochung zu erhalten. Davon 2-3 Tassen pro Tag
Die Abkochung wird auch äußerlich angewendet für Geschwüre, Wunden etc.
Besondere Hinweise:
Bei der Durchspülungstherapie ist auf reichliche Flüssigkeitzufuhr zu achten. Keine
Durchspülungstherapie bei Ödemen infolge eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit.




