Löwenzahn – Taraxacum Officinalis Web.
Geschichte:
Die erste Erwähnung des Löwenzahns stammt aus arabischen Texten des 10. und 11. Jahrhunderts. Im 13. Jh. wurde er in einem schlesischen Arzneibuch mit 180 anderen Heilpflanzen genannt. Man schrieb ihm vor allem eine gute Wirkung gegen Augenentzündungen zu. Lonicerus beschreibt die Pflanze als heilkräftig bei Fieber, Abszessen, Seitenstechen, Augengeschwüren und –trübung und als Kosmetikum.
Matthiolus hingegen nennt als Anwendungen Diarrhöe, Rote Ruhr, Blutspeien, Pocken, Gliederschmerzen und Akne. Osiander beschreibt die noch heute übliche Verwendung der frischen Pflanzen für blutreinigende Frühjahrskuren. Hufeland sah in der Pflanze ein Mittel gegen Gallenleiden, Leberverhärtung, Hypochondrie, gastrisches Fieber und auch beginnende Tuberkulose.
Für Tabernaemontanus, einem Apotheker des 16. Jahrhunderts, stellt Löwenzahn ein unvergleichliches Wunderkraut dar. Damals verwendete man die vor der Blütezeit gesammelte Wurzel mit dem oberirdischen Teil der Pflanze. Im 18. Jh. ist die Pflanze nach Weinmann vornehmlich bei
Verstopfung der Leber, Kachexie (starke Abmagerung), Gelb- und Wassersucht, Husten, Seitenstechen und Engbrüstigkeit dienlich. Darüber hinaus wirkt sie sich auf das Wasserlassen und den Urin mildernd hinsichtlich von Brennen und Schneiden aus. Der Saft sei äußerlich angewandt gut gegen Augenschwäche und lösche auch den Durst. In England hat man die Pflanze gern bei chronischer Hepatitis, Leberschwellung, Wassersucht infolge von Leberstockung, Gelbsucht und Dyspepsie (Verdauungsstörungen) angewandt.
Pfarrer Sebastian Kneipp hat den Löwenzahn bei Verschleimung verschiedener Organe, bei Leberleiden und Hämorrhoiden empfohlen. Auch in der Volksmedizin fand die Pflanze vielerlei Anwendungen.
Umgangssprachliche Namen:
Kuhblume, Pusteblume, Butterblume, Ackerzichorie, gemeiner Löwenzahn, Kettenblume, Pferdeblume, Wiesenlattich
Anwendungsgebiete:
Der Löwenzahn ist noch heute sehr beliebt und wird bei allerlei Krankheiten und Beschwerden herangezogen. Sein guter Ruf besteht völlig zu Recht, denn er fördert die Absonderung der Galle (erleichtert die Ausleerung der Gallenblase) und wirkt harntreibend. Volksheilkundlich wird Löwenzahn als blutreinigendes und magenwirksames Mittel, bei Leber und Gallenleiden, bei chronischen Ekzemen (Hautausschlägen) und anderen Beschwerden verwendet. Seine Blätter können zu einem schmackhaften Salat angemacht werden. Die im Frühsommer gestochene Wurzel wurde früher geröstet und als Kaffeeersatz verwendet.
Appetitlosigkeit, dyspeptische (Verdauungs-) Beschwerden wie Völlegefühl oder Blähungen, bei Hautkrankheiten (z.B. Akne), Migräne aufgrund von Verdauungsstörungen, Diabetes, Hämorrhoiden, Magen-Darmkrämpfe, Steinleiden, ausgezeichnetes Blutreinigungsmittel für den Frühling und Herbst
Pflanzenfamilie:
Asteraceae (Korbblütler)
Vorkommen:
Gemäßigtes Eurasien
Standort: Fettwiesen, Fettweiden, Äcker, Dünen, Ruderalstellen, Wege, Raine, Schuttabladeplätze, Gärten
Botanische Beschreibung:
Der bis zu 50 cm hohe, kahle oder schwachbehaarte, ausdauernde Löwenzahn gehört zur Familie der Korbblütler. Die rübenartige, fleischige, bis fingerdicke, außen schwarzbraune, innen milchig-weiße Pfahlwurzel ist am Wurzelhals schwach wollig behaart. Aus dieser wächst eine Blattrosette mit tief gezähnten, länglich-lanzettlichen, meist mehr oder weniger tief eingeschnittenen, bis tief fiederspaltigen Laubblättern, deren dreieckige Abschnitte ganzrandig oder gezähnt sind. Die Blütenköpfe stehen einzeln an einem langen, blattlosen Stiel. Der Hüllkelch besteht aus zahlreichen, krautigen, grünen bis schwärzlichen Hüllblättchen. Die äußeren Hüllschuppen sind kurz und abstehend, die inneren länger, schmal und anliegend. Die leuchtendgelben Blüten sind alle zungenförmig. Die Zungen sind schmal und vorne fünfzähnig. Die spindelförmigen, im oberen Teil reichlich warzig bis höckerigen, hellbraunen, langgeschnäbelten Früchte besitzen einen aus fiedrigbehaarten Strahlen bestehenden, schirmförmigen Pappus. Die ganze Pflanze enthält einen kautschukähnlichen Milchsaft. Geschmack bitter.
Blütezeit:
April bis September
Sammelzeit:
Die Blätter und die ganze Pflanze von März bis Mai;
die Wurzel von September bis Oktober
Wirkstoff/Droge:
Medizinisch verwendet werden die vor der Blüte geernteten, getrockneten Blätter, die im Herbst gesammelte und getrocknete Wurzel, die im Frühjahr vor der Blüte geernteten und getrockneten oberirdischen Teile mit Wurzelstock und die ganze frische, blühende Pflanze.
Inhaltsstoffe:
Taraxin, Inulin, Gerbstoff, Schleimstoff, Bitterstoff, Xanthophylle, ähterisches Öl, Cholin, Provitamin A, Vitamine B2, C, Mineralsalze
Medizinische Eigenschaften:
appetitanregend, leicht abführend, blutreinigend, galletreibend, harntreibend, magenwirksam, gegen Skorbut (Vitamin C Mangelerkrankung), senkt den Cholesterinspiegel, kräftigend
Dosierung :
Aufguß: 10-30g der Blätter mit siedendem Wasser übergießen, 20 min ziehen lassen, abgießen und 3-5 Tassen am Tag trinken
Abkochung: 50g der Wurzel in 2 Liter Wasser kalt ansetzen, zum Kochen bringen und ohne Deckel 30min kochen lassen, 2-3 Tassen am Tag trinken
Flüssiger Extrakt: 3 x täglich 15-25 Tropfen
Literatur:
Das kleine Heilpflanzenbuch von Tommaso Palamidessi u.a.





