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Mistel - Viscum Album L.

Geschichte:

Die Mistel spielte sowohl in der antiken als auch in der germanischen Mythologie eine große Rolle. Aus Mistel war die goldene Zauberrute des Aeneas, die ihm die Unterwelt öffnete, und aus Mistel war der Speer, mit dem der blinde nordische Gott Hödur den Sonnen- und Frühlingsgott Baldur tötete. Für die keltischen Druiden war sie eine wichtige magische Pflanze, die mit goldenen Sicheln geerntet wurde und nicht zu Boden fallen durfte, sonst würde sie ihre besondere Wirkung einbüssen.

Der Bezug auf vorchristliche Zeiten wird auch am Mistelzweig sichtbar, der zur Zeit der Wintersonnenwende und als Weihnachtsschmuck gerne an die Haustüren gehängt wird, um das Haus vor Schaden zu bewahren. Wer sich unter Misteln küsst, soll ein glückliches Liebespaar werden.

Schon die Hippokratiker sollen die Mistel auch als Heilpflanze verwendet haben. Plinius beschreibt die jüngeren Zweige als Mittel gegen Epilepsie und Schwindel. Die Misteln von Eichen kamen in den Ruf, besonders wirksame Heilpflanzen zu sein. Hildegard von Bingen wendet den Mistelschleim gegen Leberkrankheiten an. Paracelsus verordnet sie in Einklang mit den antiken Ärzten gegen Epilepsie. Dasselbe tun Lonicerus, Bock und Matthiolus. Lonicerus behandelt die Pflanze überdies als resoptionsförderndes, fieberwidriges, blutstillendes, erweichendes, wurmtreibendes und geburtserleichterndes Mittel. 1729 schreibt der englische Arzt John Colbatch eine große Abhandlung über die klinischen Erfahrungen mit der Mistel, in der er vor allem die antiepileptische Wirkung hervorhebt. Hecker sagt im 19. Jhd., das Holz der Eichenmistel sei ein ausgezeichnetes Mittel gegen Epilepsie. Rudolph Steiner führte die Mistel in die Krebsbehandlung ein.


Vorkommen:

Europa, Asien, Japan; Standort: auf Laub- und Nadelbäumen, lichte Laubgehölze, Obstanlagen, Parks, Wälder
Die Mistel ist eine wundersame Pflanze, die erst in den Wintermonaten, wenn die Bäume kahl sind, richtig sichtbar wird. Misteln sind parasitische Pflanzen, die meistens an Laubbäumen, wie Obstbäumen und Pappeln, wachsen. Es sind sog. Halbparasiten, die im Gegensatz zu Vollparasiten nur die Wasserleitbahnen (und nicht die Nährstoff führenden Leitbahnen) der Wirtspflanze anzapfen.


Umgangssprachliche Namen:

Affolter, Bocksfutter, Drudenfuß, Elfklatte, Geißkrut, Guomol, Heil aller Schäden, Hexenbesen, Hexenkrut, Hexennest, Immergrüne, Laubholzmistel, Leimmistel, Mistelsenker, Vogelmistel


Pflanzenfamilie:

Mistelgewächse (Viscaceae)


Botanische Beschreibung

Die Blüte ist gelblichgrün, 2häusig und kommt in unscheinbaren, sitzenden, 3 – 5-blütigen Büscheln vor. Die Blütenhülle der männlichen Blüten ist 4 zipfelig. Die Staubblätter sind mit den Zipfeln verwachsen. Die weiblichen Blüten sind kleiner und haben 4 Blütenhüllblätter und eine dicke, auf kurzem Griffel sitzende Narbe. Die Frucht ist eine glänzende weiße, kugelige, erbsengroße Scheinbeere mit zähem, klebrigem Fleisch. Sie ist reif weiß bis gelblich oder orange und hat 1 bis 2 ovale oder kantige Samen. Die Mistel ist ein auf Laubbäumen wachsender, halbschmarotzender Busch (Halbstrauch) von fast kugeligem Wuchs und 30 – 80 cm Größe. Die Zweige sind mehrfach gabellästig, stielrund, an den Gelenken knotig verdickt und gelblichgrün wie die Blätter. Diese sind gegenständig , ungestielt, lanzettlich oder lanzettlich-spatelförmig, ledrig und immergrün.


Blütezeit:

März bis April


Sammelzeit:

März bis April und September bis Oktober


Wirkstoff/Droge:

Viscotoxin, Azetylcholin, Cholin, Flavonoide
Medizinisch verwendet werden die vor der Fruchtbildung gesammelten Blätter und Zweige, das von bestimmten Wirtspflanzen geerntete frische Kraut, frische, im Herbst geerntete, beblätterte Sprosse und Früchte, frische, ganze, auf Apfelbäumen vorkommende, in der Fruchtbildung geerntete Pflanzen und die Blätter und Beeren.


Medizinische Eigenschaften:

Die Mistel wirkt blutstillend und verdauungsfördernd. Ebenso wirkt sie blutdrucksenkend, abführend, harntreibend und krampflösend. Überdies wird die Mistel in der Krebstherapie eingesetzt; wie sie hier wirkt, wird allerdings noch diskutiert.

Zusammen mit Weißdorn ist sie ein erprobtes Mittel, um die Leistung des „müden Herzens“  zu verbessern. Man kann sie den Genesenden nach schweren Infektionskrankheiten zur Stärkung des geschwächten Herzmuskels geben.


Dosierung:

Innerlich: 2 gehäufte Teelöffel Mistelkraut mit ¼ Liter kaltem Wasser übergießen, nach 10-12 Stunden abseihen. 2 Tassen pro Tag.

Äußerlich: Gegen Rheumatismus, Ischias und Nervenentzündungen nimmt man eine halbe Handvoll getrockneter Pflanzen pro Liter Wasser für Verbände, Lotionen und Kompressen.


Besondere Hinweise:

Bei starker Dosierung ist die Mistsel giftig. Sie kann zu Sensibilitätsverlust, fortschreitender Lähmung führen und die Atemmuskeln bis zum Herzstillstand blockieren. Das gilt im Besonderen für die Beeren. Es wird geraten, nur die grünen Teile der Pflanze zu benutzen und die o.g. Dosierung nicht zu überschreiten!
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